Mamakiez Home Tipps Betreuung & Schule Waldkindergarten

Waldkindergarten - eine sinnvolle oder sogar die optimale Form der Kinderbetreuung?

Bild Waldkindergarten Waldkindergarten - eine sinnvolle oder sogar die optimale Form der Kinderbetreuung?

Bei einem Waldkindergarten, auch als Naturkindergarten bezeichnet, handelt es sich um eine Form der alternativen Kinderbetreuung, die ursprünglich aus Skandinavien stammt und sich dort ab den 1950er-Jahren etabliert hat. In Deutschland entstand die erste Einrichtung dieser Art, die von Kindern im Alter zwischen zwei beziehungsweise drei und sechs Jahren besucht wird, im Jahr 1968 in Wiesbaden. Im Waldkindergarten werden die Kleinen außerhalb von Gebäuden in der freien Natur, meist im Wald, betreut, wo sie sich unabhängig von den üblichen Spielgeräten und gängigen Unterhaltungsmaßnahmen beschäftigen und entfalten können.

Der Waldkindergarten - Entstehung und Entwicklung

Eine gewisse Ella Flatau aus Sölleröd in Dänemark gründete in den 1950er-Jahren den ersten Waldkindergarten. Die Idee entstand, nachdem die Mutter mit ihren eigenen Kindern und den Sprösslingen der Nachbarn häufig im Wald unterwegs war und diese Form der Betreuung auf große Begeisterung stieß. Interessierte Eltern schlossen sich daraufhin zusammen und forderten die Schaffung eines Kindergartens, der den Wünschen des Nachwuchses, sich während der Unterbringung in einer Betreuungsstätte im Freien aufzuhalten, und den Ansprüchen von Müttern und Vätern gleichermaßen gerecht wurde. Diese engagierte Initiative führte daraufhin zur Gründung des ersten Waldkindergartens - eine Erfindung, die sich in Skandinavien rasch immer weiter ausbreitete. Deutschland erreichte die Idee Mitte der 1960er-Jahre, der erste Naturkindergarten entstand daraufhin 1968 in Wiesbaden. Gegründet wurde er von Ursula Sube, die diese Einrichtung auf eigene Faust organisierte und selbst sowie mit der Unterstützung einiger Eltern finanzierte. Sie erhielt von der zuständigen Jugendbehörte nie eine offizielle Genehmigung für das Projekt.

In den 1990ern fand die Waldkindergartenbewegung großen Anklang in der Bevölkerung. Die erste offizielle und staatlich anerkannte Institution dieser Art wurde 1993 in Flensburg ins Leben gerufen.

Mittlerweile gibt es bereits weit über tausend Naturkindergärten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, und täglich werden es mehr. Daneben entstehen auch Tierkindergärten, in welchen sich die Kleinen um die Pflege und Versorgung von Tieren kümmern.

Ablauf der Kinderbetreuung im Waldkindergarten

Der wesentliche Unterschied zwischen einem Waldkindergarten, der auch als "Kindergarten ohne Wände und Dach" bezeichnet wird, und einer konventionellen Betreuungsstätte besteht im Wesentlichen darin, dass die Zeit der Unterbringung in der Natur verbracht wird. Kinder und Erzieher halten sich also durchgehend im Wald und auf Wiesen anstatt in einem Gebäude auf. Die Aktivitäten in der freien Natur finden bei fast jedem Wetter statt, außer bei zum Beispiel heftigem Regen und Sturm - weshalb in Deutschland eine beheizbare Unterkunft in der Nähe des Aufenthaltsortes vorgeschrieben ist, wo die Kleinen bei sehr schlechten Witterungsbedingungen Unterschlupf finden können. Meist handelt es sich bei dieser Aufenthaltsmöglichkeit um eine Waldhütte oder einen Bauwagen.

Bild Spielzeug aus Naturmaterialien Im Waldkindergarten spielen Kinder mit den Dingen, die Natur bietet

Im Waldkindergarten wird üblicherweise auf diverses Spielzeug verzichtet, da sich die Kleinen mit den Dingen beschäftigen und auseinandersetzen sollen, die ihnen die Natur bietet. So wird etwa mit Tannenzapfen eine Figur auf den Waldboden gelegt, die danach erraten werden soll, oder mit Zweigen und Blättern ein kleines Haus gebaut.

Die vorgeschriebene Kinderanzahl pro Gruppe liegt im Waldkindergarten bei 15 bis 20, wobei dafür mindestens zwei staatlich anerkannte Erzieher zur Verfügung stehen müssen.

Abgesehen von den eben erwähnten, zu konventionellen Kindergärten abweichenden Bedingungen, handelt es sich bei den Naturkindergärten um "normale" Betreuungsstätten, in welchen die Kleinen auf die herkömmliche Art und Weise begleitet, gebildet und erzogen werden.

Finanziell trägt sich die Einrichtung durch staatliche Zuschüsse, die von Standort zu Standort variieren, Elternbeiträge und Spenden. In den meisten Fällen handelt es sich bei den Naturkindergärten um eingetragene Vereine, die pädagogisches Personal anstellen. Hin und wieder betreiben Erzieher die alternative Betreuungsstätte aber auch in Eigenregie und schließen dafür mit den Eltern ihrer Schützlinge privatrechtliche Verträge ab.

Auswirkungen der Waldkindergartenpädagogik

Die Auswirkungen der Waldkindergartenpädagogik auf die Kinder hat man bereits mehrfach untersucht. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass der tägliche Aufenthalt in der Natur eine positive Auswirkung auf die Entwicklung der kindlichen Wahrnehmung, Koordination, Motorik und Tiefensensibilität hat.

Bild Waldkindergarten Die Aktivitäten im Waldkindergarten finden bei fast jedem Wetter statt, außer bei zum Beispiel heftigem Regen und Sturm

Auf schulische Anforderungen werden die Kinder, die einen Waldkindergarten besuchen, nicht schlechter vorbereitet, als die Besucher eines Regelkindergartens - im Gegenteil: Die meisten Volksschüler bekommen in der Mehrzahl der Fächer sogar bessere Noten, wenn sie davor in einem Waldkindergarten betreut wurden.

Ein weiterer großer Vorteil dieser alternativen Form der Unterbringung ist, dass die Kleinen aufgrund der Stärkung ihres Immunsystems aufgrund des regelmäßigen Aufenthalts im Freien gesundheitlich stabiler sind. Darüber hinaus konnte festgestellt werden, dass das Unfallrisiko im Wald und auf den Wiesen wesentlich geringer ist - die Kinder stoßen sich dort beim ungehinderten Herumtoben fast nie, fallen seltener hin und wenn, landen sie üblicherweise weicher.

Außerdem wirkt sich die Betreuung in der Natur positiv auf die Sprachentwicklung aus, da draußen kein herkömmliches Spielzeug mit festgelegter Bedeutung und Anwendung verwendet wird, sich die Kinder daher mit Naturgegenständen beschäftigen und über deren Funktion sowie über das dabei entstehende Spielgeschehen verbal austauschen.

Zusätzlich wird den Jungen und Mädchen beim Aufenthalt im Freien die Bedeutung des Naturschutzes bewusst, sie erkennen außerdem die Wichtigkeit von allen pflanzlichen und tierischen Lebewesen und lernen, ihnen respektvoll zu begegnen.

Natürlich sind die Kinder und ihre Erzieher draußen auch weniger lärmbelastet, als in den kleinen geschlossenen Räumen eines Gebäudes. Erwiesenermaßen leiden die betreffenden Personen, die kleinen und die großen, im Waldkindergarten daher auch seltener an stressbedingten Symptomen wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen.

Doch die positiven Aspekte dieser Betreuungsform haben auch Auswirkungen auf einer ganz anderen Ebene und zieht eine interessante Entwicklung nach sich: Seit den vermehrten Gründungen von Naturkindergärten, zahlreichen Publikationen zum Thema und den veröffentlichten Ergebnissen hinsichtlich der vielen Vorteile dieser Einrichtungen, integrieren auch die normalen Kindergärten in Deutschland immer häufiger Waldtage oder -wochen sowie Ausflüge und Projekte in der freien Natur in ihr Programm. Auf diese Weise versuchen die Erzieher in den konventionellen Betreuungsstätten ihren Schützlingen die Vorteile der Waldkindergartenpädagogik zumindest ansatzweise zukommen zu lassen.

Bild Einfach planschen Kinder, die Waldkindergarten besucht haben, sind oft gesundheitlich stabiler

Das Großwerden von Kindern in der Gegenwart ist kaum mehr mit dem ihrer Eltern zu vergleichen - haben die Kleinen früher fast nur draußen gespielt, zieht sich die heutige Generation der Heranwachsenden häufig in geschlossene Räume zurück. Dieser Entwicklung möchte das Konzept der alternativen Betreuungsstätte in der Natur entgegenwirken.

Doch der Aufenthalt in einem Waldkindergarten ist nicht für jeden Sprössling das Richtige. Die Kinder müssen hier den ganzen Vormittag über zweckmäßige, oft sperrige Kleidung tragen, außerdem mehr oder weniger ständig einen Rucksack mit sich führen, in dem sich die Jause oder diverse Gegenstände befinden, für den sie auch Verantwortung übernehmen müssen und ihn nicht irgendwo stehen lassen und vergessen dürfen. In einem herkömmlichen Kindergarten dürfen die Kleinen in der Wärme und im Trockenen mit bequemen Klamotten toben und können auch nichts verlieren.

Und natürlich gibt es auch Kinder, die es hassen, wenn Hände oder Kleidungsstücke schmutzig werden - die werden in einem Naturkindergarten sicher nicht glücklich sein.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Kleinen zu Beginn ihres Aufenthalts in der alternativen Einrichtung regelmäßig erkranken, da sie sich täglich zu jeder Jahreszeit und bei fast jeder Witterung draußen aufhalten, woran die meisten nicht gewohnt sind.

Wichtig zu erwähnen ist auch der Nachteil, dass die Jungen und Mädchen, die einen Waldkindergarten besucht haben, den Schulbeginn häufig als extrem schwierig empfinden, weil sie plötzlich ständig ruhig sitzen und sich zu der Zeit, in der sie früher durch den Wald gelaufen sind, in einem geschlossenen Raum aufhalten müssen - da fällt die Anpassung oft schwer.

Abschließend ist jedoch zu sagen, dass die Vorteile des Aufenthalts der lieben Kleinen ab einem Alter von zwei oder drei Jahren in einem Naturkindergarten gegenüber der Betreuung in einer konventionellen Einrichtung bei Weitem überwiegen.

Bildquelle 1: © Heike Berse / pixelio.de

Bildquelle 2: © S.H.exclusiv / Fotolia.com

Bildquelle 3: © Echino / pixelio.de

Bildquelle 4: © Helene Souza / pixelio.de